BVO - Bezirksverband Oldenburg

Historische Entwicklung

Entwicklung der Armenfürsorge/Historisches

Entwicklung der Armenfürsorge

Am Ausgang des Mittelalters ist die Armenfürsorge hauptsächlich auf die Klöster, Stifte, Bruderschaften, Innungen übergegangen, die Armenpflege der Pfarreien durchbrochen, die z. T. berufsmäßige Bettelei stark angestiegen. Die Kirchen der Reformation bemühen sich auf ähnliche Weise wie die alte Kirche um die Armen, doch erhält z. B. im Calvinismus Armut immer stärker negative Züge. Die Reichspolizeiordnung von 1530 bestimmte, dass jede Stadt und Gemeinde ihre Armen selbst ernähren und erhalten müsse. Die Armenpflege geht in der frühen Neuzeit immer mehr von der Kirche auf den Staat über, wenn sie auch noch im 16./17. Jahrhundert eine Nachblüte erlebt. Die insgesamt sehr harte polizeiliche Behandlung der Armen weicht erst im aufgeklärten Absolutismus einer freieren und menschlicheren Auffassung.


Armenfürsorge im Oldenburger Land

Die Anfänge einer Ordnung des oldenburgischen Armenwesens in der nachreformatorischen Zeit findet man in der Kirchenordnung von 1573.
Die Betreuung der Armen war nicht einheitlich geregelt. In der Stadt Oldenburg vereinigten sich Rat und Kirche in der Armenpflege, vom Grafenhaus mit Stiftungen unterstützt. Johann stiftete 1581 das Gertrudenhaus in Oldenburg, Anton Günther 1632 das Armenhaus in Blankenburg und 1659 das Armenhaus in Hofswürden.
Graf Anton Günther hat auch mehrere Armenordnungen erlassen (1648, 1657, 1661), die vor allem die zunehmende Bettelei zu bekämpfen versuchten.
Diese Bettler dürften wohl in ihrer Mehrzahl aus den durch den Dreißigjährigen Krieg verwüsteten deutschen Gebieten in die Grafschaften gekommen sein, weil sie in den weitgehend von den Armeen verschont gebliebenen Grafschaften auf Unterstützung hofften. Es handelte sich sozusagen um eine importierte Armut.

Nach der Dänenzeit (1667-1773) begann eine neue Ära des Oldenburger Landes. Mehr als hundert Jahre war das Oldenburger Land eine dänische Provinz gewesen, jetzt besaß es wieder den Charakter eines eigenständigen Staates. Zunächst übernahm der Holsteiner Friedrich August (1711 - 1785) für 12 Jahre die Regentschaft im Großherzogtum. Ihm folgte Peter Friedrich Ludwig (1755 - 1829) Er veranlasste, dass in jedem Kirchspiel eine Spezialdirektion des Armenwesens eingerichtet wurde, welche in ihrem Bereich die erwerbsfähigen Armen mit Arbeit und die Arbeitsunfähigen finanziell zu unterstützen hatten. Die oberste Aufsicht über die organisierte Armenverwaltung führte das Generaldirektorium des Armenwesens.
Eine Ersparungskasse wurde als zusätzliche Hilfe eingerichtet. Diese Kasse hatte die Rechte einer milden Stiftung. Heute trägt sie den Namen „Landessparkasse zu Oldenburg“.
Als am 1. August 1786 durch Verordnung das Generaldirektorium des Armenwesens eingesetzt wurde, erfolgte zugleich die Zusammenfassung einer Reihe bestehender Fonds zu einem Generalfonds der älteren Landesteile.
Dieser trägt heute den Namen „Oldenburgischer Generalfonds“.
Das neu errichtete Generaldirektorium für das Armenwesen war fortan für die Aufgaben zuständig, die im Bereich der mildtätigen Zuwendungen zu erfüllen waren.

Durch § 1 des Artikels 10 des Gesetzes für das Großherzogtum vom 5. Dezember 1868 betreffend die Organisation des Staatsministeriums wurde dann bestimmt, die Leitung der Verwaltung der bisher zum Geschäftskreis der Regierung des Herzogtums gehörigen Fonds und milden Stiftungen unter dem Ministerium des Innern einer Kommission, und zwar der „Kommission für die Verwaltung der Fonds und milden Stiftungen“ zu übertragen.
1937 wurden die Aufgaben der Kommission dem Landesfürsorgeverband Oldenburg übertragen, und heute ist für die Verwaltung der Fonds und Stiftungen der Bezirksverband Oldenburg zuständig.