BVO - Bezirksverband Oldenburg

Presse

Datum
12.07.2016
Kategorie
Stiftungen
Quelle
Artikel in der NWZ

"An Verkauf des Altars war nie gedacht“

Sorge Um Oldenburger Meisterwerk

Blankenburg-Besitzer Schwerdt weist den Vorwurf von Oberbürgermeister Krogmann zurück.

Anwalt Wehage betont, es gehe um die Klärung der Eigentumsverhältnisse beim Blankenburger Altar. Die Stadt schließt nicht aus, dass es zum Gerichtsstreit um das Kunstwerk kommt.

von Christoph Kiefer

Oldenburg „An einen Verkauf des Blankenburger Altars hat Herr Schwerdt nicht einen Moment gedacht. Um eine Veräußerung ist es zu keinem Zeitpunkt gegangen.“ Anwalt Ferdinand Wehage weist am Montag den Vorwurf von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Schwerdt greife nach dem wertvollen Museumsstück, um es gewinnbringend auf dem Kunstmarkt zu veräußern, zurück. Dies habe er dem Oberbürgermeister am Montag auch schriftlich übermittelt, sagte der Anwalt von Immobilienbesitzer Wolfgang Schwerdt der NWZ.

Gleichzeitig macht Wehage deutlich, dass er – anders als der Bezirksverband Oldenburg – die Eigentumsverhältnisse für nicht geklärt hält. „Die sind zweifelhaft, und wir werden uns anschauen, was wirklich vereinbart worden ist und was nicht.“

Heftige Proteste

Auslöser der Reaktion ist ein Bericht in der NWZ , wonach der Käufer des ehemaligen Klosters Ansprüche auf den Blankenburger Altar erhebt. Sowohl der Bezirksverband als auch Oberbürgermeister Jürgen Krogmann setzen sich vehement für einen Verbleib des Altars im Museum ein. Der OB sagt, er würde es sehr bedauern, sollte Schwerdt tatsächlich versuchen, den Altar auf gerichtlichem Weg in seinen Besitz zu bringen.

Das Kunstwerk – der einzige Altar aus der Zeit vor der Reformation in der Region – ist seit Anfang der 1990er Jahre im Stadtmuseum zu bewundern. Es ist Eigentum der Stiftung Blankenburg, die der Bezirksverband verwaltet.

Bis in die 1980er-Jahre war der Altar in der Klosterkirche aufgestellt. Das Werk, das um 1520 entstand und dem „Meister von Osnabrück“ zugeschrieben wird, hatte in der feuchten Kirche allerdings gelitten und kam daraufhin im Stadtmuseum unter. 1993/94 ließ der Bezirksverband das Kunstwerk restaurieren.

1989 hatte der Bezirksverband das ehemalige Kloster an einen Unternehmer verkauft. Der damalige Kaufvertrag lässt offen, ob auch der Altar in den Besitz des Käufers übergeht. Der Bezirksverband ließ sich jedoch kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags nachträglich von den neuen Eigentümern bestätigen, dass der Altar nicht mitverkauft worden ist.

Ein entsprechender Schriftsatz liegt der NWZ vor. Für Bezirksverbands-Geschäftsführer Frank Diekhoff ist deshalb klar: Der Altar gehört weiter der Stiftung. Im Jahr 2013 kaufte der Oldenburger Immobilienhändler Schwerdt das Klosterareal und vermietete es 2015 an das Land. Das Land errichtete dort eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

„Lediglich ein Besuch“

Wehage wies die Darstellung zurück, Schwerdt habe das Museum aufgesucht, um den Altar vermessen und ausbauen zu lassen. „Herr Schwerdt war lediglich im Museum, um sich den Altar einmal genau anzuschauen.“

Kunsthistoriker Dr. Georg Habenicht, der aus Oldenburg stammt und 2015 ein umfangreiches Buch über Flügelaltäre des Mittelalters vorgelegt hat, bezeichnet den „Meister aus Osnabrück“ als „größte skulpturale Begabung in der Region in dieser Zeit“. Bezirksverband-Geschäftsführer Diekhoff schätzt, dass der materielle Wert des Altars „im Millionenbereich“ liegen könnte.

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