BVO - Bezirksverband Oldenburg

Presse

Datum
11.07.2016
Kategorie
Gut Dauelsberg
Quelle
Artikel im Weser Kurier

Aufbruch in die Moderne auf Dauelsberg

Das historische Leutehaus wird im kommenden Jahr abgerissen / Bezirksverband investiert 4,5 Millionen Euro.

Andreas D. Becker 11.07.2016

Delmenhorst. Schließlich blieb nur eine Option: Abriss. In vielen Sitzungen haben sie beim Bezirksverband Oldenburg das Problem von links nach rechts und zurück nach links gewälzt. Doch es half nicht. Das historische Leutehaus auf dem Gut Dauelsberg, dessen erste Mauern um 1885 erbaut wurden, war nicht mehr haltbar. Das Gut am östlichen Stadtrand wird sein Aussehen verändern. Massiv. Der weiße Klinkerbau ist ein prägendes Gebäude. Doch im nächsten Jahr muss er Neubauten weichen. Insgesamt steckt der Bezirksverband aber immer noch die stolze Summe von 4,5 Millionen Euro in das Gut.

 

„Das Leutehaus ist nicht zukunftsträchtig“, sagt Helmut Blauth, Leiter auf Dauelsberg. „Selbst mit einem hohen finanziellen Aufwand wäre das Ergebnis immer noch nicht optimal gewesen.“ Es geht dabei nicht nur um den Brandschutz, der nicht mehr zeitgemäß ist. Es geht in dem Leutehaus, in dem bis zu 33 Menschen mit mehr oder minder schweren Behinderungen leben können, die im Rahmen der Eingliederungshilfe ein möglichst eigenständiges Leben führen sollen, auch nicht um die veraltete Haustechnik. Es geht auch um den Wohnkomfort. „In Zukunft können bei uns auch Paare leben, wir können Frauen aufnehmen. In den neuen Häusern werden wir ein attraktives und möglichst selbstständiges Wohnen bieten können.“

Aus eins mach drei, das ist der Plan für das Leutehaus. Zudem muss das Pflegeheim auf dem Gut erweitert werden. Derzeit können dort 25 Menschen betreut werden. Schlicht zu wenig, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Deswegen müssen zehn Plätze mehr her, dahinter steckt schlichte Pflege-Mathematik. Mit der Erweiterung beginnen auch die Arbeiten auf dem Gut, schon im nächsten Jahr soll die Pflege fertig sein. Danach werden die bisherigen Plätze im alten Haus saniert.

Im kommenden Jahr beginnt der optisch prägnanteste Abschnitt. Als das Leutehaus gebaut wurde, diente es bereits als eine Art Wohnheim. „Damals kamen dort Tippelbrüder oder Brüder der Landstraße unter“, erzählt Blauth. Es waren Menschen ohne Arbeit, ohne eigene Unterkunft. Im Gegenzug sollten sie auf dem Gut helfen. „Arbeit statt Almosen“ lautete seinerzeit bereits das Motto, als das Gut 1884 vom privaten Verein „Oldenburgisch-Bremische Arbeiterkolonie Gut Dauelsberg“ gekauft wurde. Dauelsberg ist eine der ältesten Wohltätigkeitseinrichtungen der Stadt.

Das erste Hauselternehepaar hieß Schwake, 1937 kamen die Blauths auf den Hof. Eugen Blauth war Diakon und Landwirt, zusammen mit seiner Frau Elisabeth führte er das Haus im Geiste seiner Gründer fort. Helmut Blauth ist nunmehr in dritter Generation Leiter der Einrichtung. 1955 wurde das Leutehaus übrigens erweitert, das Dachgeschoss wurde auf das Haus gesetzt. „Danach wurde es noch zwei Mal renoviert, aus den Schlafsälen wurden Einzel- und Doppelzimmer“, erzählt Blauth. Doch noch mal renovieren geht einfach nicht. Deswegen muss jetzt der Abriss erfolgen.

„Wir haben für die Neugestaltung sogar einen Architektenwettbewerb ausgerichtet“, sagt Blauth. Es sei das erste Mal in der Geschichte des Bezirksverbandes. Herausgekommen ist eine Lösung mit drei kleineren Häusern, die auf dem Gelände verteilt werden und nicht mehr so monolithisch-dominant das Ensemble prägen. Mit den wie hingetupft verteilten kleineren Einheiten entstehe auch wieder so etwas wie ein stärkerer Hofcharakter, sagt Blauth. Zudem wird das Areal besucherfreundlicher, weil neue Sichtachsen entstehen. Das Guts-Café, in dem bereits ein Teil der Eulen-Sammlung des ehemaligen Oberstadtdirektors Norbert Boese und seiner Frau untergebracht ist, wird dann beispielsweise auch nicht mehr so versteckt sein, wie es jetzt der Fall ist.

„Im August oder September 2017 beginnen wir mit dem Abriss“, erklärt Blauth. In den neuen, modernen Häusern können dann sogar 38 Menschen leben. Wichtig ist natürlich, den Auszug aus dem alten Leutehaus und dann den Einzug nach und nach in die neuen Gebäude reibungslos hinzukriegen. In jedem Haus werden Küchen eingebaut und Gruppenräume, alles, was nötig ist, damit die Bewohner so eigenständig wie möglich leben können, so wie es in der Eingliederung mittlerweile Standard ist. Und natürlich werden dann auch der Brandschutz und die Haustechnik auf dem neuesten Stand der Technik sein.

 

Artikel im Weser Kurier